Care und Demokratie – auf dem Weg in eine andere Moderne
Zum fünften Mal luden AGP Sozialforschung und das Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung nun zu dem diskursiven Format des Berliner Care-Salons ein. InCareFor heißt die gemeinnützige GmbH, die nun als Rechtsträger der beiden Institute fungiert.
Im Mittelpunkt des fünften Berliner Care-Salons stand der Care-Begriff in seinen unterschiedlichen historischen, gesellschaftlichen und politischen Herleitungen und Kontexten. Professor Dr. Hartmut Remmers, Autor der jüngst erschienenen Monografie ‚Care Work‘ stand als renommierter und kluger Gesprächspartner zur Verfügung. Gemeinsam mit Thomas Klie leuchtete er die Dimensionen von Care als Fürsorge, Gattungserhalt und Erhaltung der natürlichen und solidarischen Grundlagen unserer Gesellschaft aus. Die Veröffentlichungen von Hartmut Rosa zu ‚Situation und Konstellation‘ wurden ebenso einbezogen wie Ingolfur Blühdorns ‚Unhaltbarkeit. Auf dem Weg in eine andere Moderne‘.
Der zweite Gesprächspartner des Abends war Professor Dr. Paul-Stefan Roß aus Stuttgart. Er war von 1996 bis 2005 erster Geschäftsführer des Zentrums für zivilgesellschaftliche Entwicklung, dessen 30-jähriges Bestehen auf dem fünften Care Salon gewürdigt wurde. Mit Paul-Stefan Roß wurde der Bedeutungswandel in Zivilgesellschaft und seiner kritischen Korrektur und Koproduktionsfunktion beleuchtet.

In beiden Diskussionsrunden ging es auch um die Grundlagen der Demokratie, um gemeinwirtschaftliche Antworten auf die Herausforderung unserer Zeit und die zunehmende Polarisierung der Gesellschaft mit schwindenden Diskurs- und Verständigungsbereitschaften. Auf sie wies insbesondere Paul-Stefan Roß in seinen Berichten über kommunale Beteiligungsprozesse eindrücklich hin. Unter den Gästen waren wieder Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Vertreter*innen aus Ministerien, zivilgesellschaftliche Akteur*innen, Kolleg*innen aus der Wissenschaft und Verbänden, die die Diskursräume des Berliner Care Salons schätzen.
Musikalische Impulse setzte wiederum Assaf Fleischmann am Klavier mit eigenen Kompositionen. Er war extra aus Israel angereist. Der Ort, das Umspannwerk Ost an der Karl-Marx-Allee bot einen gepflegten Raum für den Care Salon, auf dem auch aktuelle gesundheits- und pflegepolitische Fragen erörtert wurden.